Gender: Rosa ist scheiße

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Unsere Autorin interessierte sich nicht für Genderfragen. Dann bekam sie eine Tochter und zog ihr einen blauen Body an. Sie ahnte nicht, was sie damit auslöst.

Ich bin so froh, dass meine Eltern mir die Freiheit gelassen haben, Heidi-Bücher und “Die schönsten Pferdegeschichten für Mädchen” zu hassen und stattdessen lieber Sachbücher, die für Jungs vermarktet wurden, zu lesen. Und ich bin auch froh, dass sie der Meinung waren, dass ich doch die Klamotten aus der Jungsabteilung tragen soll, wenn ich das will, auch weil sie der Meinung waren, dass diese ohnehin viel praktischer gemacht sind. Ich durfte auch immer im Dreck spielen und meine Eltern haben kopfschüttelnd reagiert, wenn andere Eltern von ihren Mädchen verlangt haben, dass sie sich ja nicht dreckig machen, denn schließlich gibt es sowas wie Waschmaschinen. (Später hat es meine Schulklasse übernommen, mir wegen mangelnder Anpassung an “meine” Geschlechterrolle die Hölle heiß zu machen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich es glücklicherweise schon verinnerlicht, dass man sich nicht an bestimmte Rollenbilder anpassen muss und bin aus dem jahrelangen Mobbing einigermaßen unbeschadet rausgekommen. Einer guten Freundin (die ich damals noch nicht kannte) in einer ähnlichen Situation ging es da leider anders, und sie kämpft neben anderen Sachen immer noch mit viel internalised misogyny.) Anfangs dachten meine Eltern auch, dass ich sicher mal ne Lehre machen werde, weil studieren länger dauert und das dann ungünstiger ist wegen Kinder kriegen, aber als ich erklärt hab, dass ich studieren will, haben sie das ohne Diskussion sofort akzeptiert und mich dabei unterstützt. Mein Vater hat auch immer erzählt, dass es zu seiner Zeit völlig normal war, dass kleine Jungs auch mit Puppen gespielt haben.

Mit anderen Worten, ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass das, was die Autorin vor hat, nämlich ihr Kind möglichst abseits des Geschlechterrollenmarketings zu erziehen, unschätzbar wertvoll ist für das Kind. Meine Eltern haben das nicht einmal bewusst gemacht (und die heutige Diskussion über Geschlechterrollen geht völlig an ihnen vorbei) – bei ihnen war das nur ein “wir werden uns doch nicht von nem Klamottenladen oder nem Spielzeugladen vorschreiben lassen, was unser Kind anzieht und womit es spielt”. Egal aus welchen Gründen, ich hatte dadurch die Freiheit, mir von vornherein meine Geschlechterrolle selber zu suchen, ohne dass ich deshalb nach außen oder nach innen einen Kampf führen musste.

Ich bitte jeden, meiner Follower, sich diesen Artikel durchzulesen. Tut es.

Gender: Rosa ist scheiße

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