Briefe in die Leere

An den Raben in der Ferne.

Ich habe wieder an dich gedacht, weißt du? Natürlich nicht.

Ich kann immer noch nicht so ganz damit umgehen, wo wir zwei stehen. Nach über einem Jahr des Beobachtens aus der Ferne fühlt sich alles so seltsam an, als wäre es nicht real. Obwohl ich dir näher bin als je zuvor und im Grunde nichts falsch machen kann, habe ich das Gefühl, mit jeder Handlung etwas beweisen zu müssen, um dich irgendwie zu halten. Es ist fast schon lächerlich, aber nicht das Hauptproblem.

Du stellst in meinem Leben mittlerweile einen so wichtigen Bezugspunkt dar, dass ich fast schon stündlich an dich denke. Und du kennst mich nicht. Was du kennst, ist ein gewisser Eindruck, den ich zu vermitteln versuche, aber du interessierst dich nicht für mich. Du kannst dich einfach nicht für mich interessieren, du kennst mich ja praktisch nicht. Außerdem bist du interessant, ich unfähig. Du bist tiefsinnig, ich nicht authentisch. Du leidest, ich habe das hinter mir und will wieder zurück. Du hast Freunde, ich beneide sie um ihre Freundschaft zu dir.

Wo das Problem liegt, weiß ich genau. Ich projiziere und fixiere mich auf andere. Schon immer so gewesen, hörst du mich nicht sagen, mit einem bitteren Lachen, das vermutlich für immer vor dir verborgen bleibt, ebenso meine ständigen stummen Schreie nach deiner Aufmerksamkeit. Ich werde nie an sie (alle) heranreichen, auch wenn er es aus meiner Ausgangsposition geschafft hat. Meine einzige Chance ist bald gekommen und ich schaffe es unmöglich bis dahin, also werde ich sie verstreichen lassen müssen. 

Es ist möglich, deine Aufmerksamkeit zu gewinnen, aber nicht für mich, ich bin nichts als ein Zeitvertreib, ohne eigene Bedeutung, ein Anhängsel, das man nie wollte, verdammt lächerlich und zutiefst unglücklich.

Ich schicke dir Grüße, deren Bedeutung du niemals erfährst.

Wiebke

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